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Hausfrauen

Aus dem immensen und undifferenzierten Raum der Welt behaupten wir alle unseren eigenen. Auf die eine oder andere Weise heben wir vier Wände an und bedecken sie mit einem Dach und füllen den Innenraum mit allem, was das Leben möglich und sinnvoll macht.

Wir teilen die Welt in ein Innen und ein Außen. In unseren vier Wänden ist ein Ort der Wärme, des Lichtes, der Freunde und der Freundschaft; außerhalb der Kälte, der Dunkelheit, der Fremden und der Einsamkeit. Unsere Häuser sind mehr als materielle Gegenstände, und ihr Wert kann nicht in Dollar und Cent gemessen werden. Ein Zuhause ist die Bühne, auf der das Drama des Lebens und Sterbens gespielt wird.

Vor einigen Jahren rief mich mein Sohn am späten Nachmittag aus Gary, Indiana an. Auf dem Weg von unserem Haus in Holland, Michigan zum St. Olaf College in Northfield, Minnesota, brach sein alter Buick Skylark zusammen. Schnell haben wir einen Plan entwickelt. Ich fuhr dorthin, wo er zusammengebrochen war, und schleppte ihn zum Haus eines Freundes, der nördlich der Chicago-Schleife lebte. Dort würden wir Autos tauschen. Ich würde bei meinem Freund bleiben und seinen Buick morgen reparieren lassen.

Der Plan lief schief. Ich habe mich in Chicago gedreht. Das Abschleppseil brach in einer verwüsteten Gegend. Ein Polizist, den wir um einen Weg gebeten haben, drohte uns alle ins Gefängnis zu bringen, weil das Abschleppen in Chicago illegal war.

Chicago in der Nacht hatte sich in einen Albtraum verwandelt. Als ich endlich im Haus meines Freundes ankam, brach ich auf seine Couch im Wohnzimmer zusammen. Da saß und nippte Rotwein, schaute ich mich um und nahm in der Bedeutung seines Hauses. Die Dunkelheit war durch Licht, Gefahr durch Sicherheit, Kälte durch Wärme und Fremde durch Freunde ersetzt worden. Das Haus meines Freundes war definitiv mehr als sein Marktwert für mich.

Unsere Häuser sind zerbrechlich und ständig von einer Reihe von Kräften aus der Außenwelt bedroht. Wir Hausfrauen müssen immer wachsam sein und die Heiligkeit unserer Häuser schützen. Das Dach läuft mit der Zeit aus, Schmutz dringt ein, Termiten kauen ab, Feuer bricht aus, Diebe brechen ein und stehlen. Und es ist viel einfacher, den Verlust eines Computers zu ersetzen, als den Verlust unseres Sicherheitsgefühls zu ersetzen.

Selbst in einem zerbrechlichen Haus können Menschen überleben. Draußen ist eine ganz andere Sache. Den Elementen ausgesetzt, leiden und sterben Obdachlose. Eigentlich, um Menschen Obdachlose zu beschriften, verwirrt das Problem.

Straßenleute sind Hausfrauen, genau wie alle anderen. Sie bauen Häuser mit den mageren Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen — ein verlassener Bus, eine Pappschachtel, eine Parkbank, Zeitungsdecken. Wenn der Wolf kommt — wie Kinder aus der Fabel wissen — er hustet und bläst und bläst ihre Häuser mit Stroh und Stöcken nieder.

Wir Hausfrauen wollen den Wolf fernhalten, aber wir wollen nicht alle fernhalten. Wir bauen doch unsere Häuser mit Türen. Unsere Häuser sind Orte, an denen wir das Leben feiern und Gemeinschaft aufbauen, indem wir unsere Ressourcen mit anderen teilen. Wir laden Leute ein, aber wir haben ziemlich strenge Regeln, die bestimmen, wer durch unsere Türen geht. Wir müssen wachsam sein, weil es gefährliche Menschen gibt.

Gott, die Hausfrau

Das alte Volk Israel verstand Gott als Hausfrau. Von allen Bildern des Gottes — Hirte, König, Schild usw. — war die Hausfrau diejenige, an die sie sich am häufigsten wandten. Sie glaubten, dass Gott in einem unsichtbaren, himmlischen Haus wohne und dass das Tabernakel und später der Tempel seine sichtbaren, erdigen Nachbildungen waren. In seinem heiligen Tempel bereitete Gott einen Tisch mit Tassen Wein überfüllt und Essen in Hülle und Fülle und lud sein Volk ein, zu kommen. Der Gottesdienst war Heimkehr.

Das Volk Israel verstand ihre Häuser und Tische als eine Erweiterung Gottes. Sie sollten den Willen Gottes auf Erden tun, wie es im Himmel war. Sie waren die Mittel, mit denen die Gastfreundschaft und die Liebe Gottes die Welt erfüllen würden (Psalm 33,5). Das Volk wünschte, dass andere von ihnen dasselbe sagen würden, was sie von Gott sagten: „Sie mahlen an der Fülle deines Hauses, und du gibst ihnen aus dem Strom deiner Freuden zu trinken“ (Psalm 36, 8).

Das Volk Israel übte Gastfreundschaft aus, aber sie kämpften mit der Frage, wer an den Tisch gehört? Die Schrift erzählt die Geschichte, wie sie immer wieder versuchen, die Tür für Außenstehende zu schließen und den Zugang zum Tisch zu beschränken, während Gott versucht, die Tür zu öffnen und den als Außenstehende zu erlauben. Und wir lesen von demselben Kampf zu Jesu Tag, besonders im Lukasevangelium.

Simon, die Hausfrau

Jesus kam in die Welt, um die Gastfreundschaft Gottes zu offenbaren und das Volk Gottes in Bezug auf die Regeln herauszufordern, die den Eintritt in den Tempel und ihre Häuser regierten. Der Besuch Jesu bei Simon dem Pharisäer (Lukas 7,36-50) fängt in wenigen Versen das Wesen dieser Herausforderung ein.

Simon war in der Praxis der Gastfreundschaft beschäftigt, aber er hatte einige ziemlich strenge Regeln darüber, wer durch die Tür seines Hauses gehen konnte. Der Prophet aus Nazareth war der richtige Typ, um an seinen Tisch einzuladen. Die Frau, die ihm folgte, war definitiv falsch. Sie war eine Sünderin. Die Sünde war für Simon eine ansteckende Krankheit. Es verbreitete sich durch sozialen Kontakt. Er wollte nicht in Hustenbereich dieser Frau bekommen.

Sie verseuchte nicht nur Simons Haus durch ihre Anwesenheit, sondern verseuchte den Körper Jesu, indem sie ihn berührte und küsste. Simon wurde abgestoßen. Jesus konnte kein wahrer Prophet sein, weil er offensichtlich nicht sehen konnte, wer diese Frau wirklich war. Aber Jesus wandte sich mit dieser Frage an ihn: „Simon siehst du diese Frau?“

Simon sieht sie natürlich nicht. Er hat eine soziale Welt aufgebaut, in der bestimmte Menschen keinen Zutritt erlangen und daher nie gesehen werden. Das ist das moralische Dilemma, mit dem jeder Hausfrau konfrontiert ist. Mit dem Bau eines Hauses, einer Kirche oder eines Landes für sich selbst, Hausfrauen unterscheiden zwischen Insidern und Außenstehenden. Die Außenstehenden verlieren allzu schnell ihre Sichtbarkeit und Identität und werden allzu leicht zum Objekt der Angst und Entsetzen der Insider. Insider bezeichnen Außenseiter allzu schnell als Sünder und verbannen sie in die äußeren Bereiche der Gesellschaft.

In dieser Begegnung mit Simon lehrt Jesus ihn, dass es keine Unterscheidung zwischen Insidern und Außenstehenden gibt, denen, die wir für Sünde halten, und denen, die wir für Sünde halten. Alle sind gleichermaßen Sünder, die die Vergebung Gottes brauchen.

Jesus lehrt Simon auch, dass sein Überleben ironischerweise nicht davon abhängt, bestimmte Menschen fernzuhalten, sondern sie rein zu lassen. Diese Frau, die die Füße Jesu wäscht und salbt, kennt die Tiefe ihrer Sünde und kennt daher die Tiefe der Liebe Gottes, wenn ihr vergeben wird.

Diese sündige Frau könnte Simon und den Rest von uns Pharisäern etwas über die standhafte und weitreichende Liebe Gottes beibringen, wenn wir einfach die Tür öffnen und sie reinlassen würden.

Tom Boogaart

Tom Boogaart recently retired after a long career of teaching Old Testament at Western Theological Seminary in Holland, Michigan.

9 Comments

  • Well said. We all need the hospitality that opens its doors.

  • Jessica A Groen says:

    Thank you, Tom. A teaching colleague recently pointed me to an article on this topic by Steven Bouma-Prediger and Brian Walsh, which led me to their 2008 book Beyond Homelessness: Christian Faith in A Culture of Displacement. God as homemaker is such a great theme for consideration as we consider the purpose of the homes, faith communities, municipalities and homelands we construct.

    And as we wrestle with decisions about what is the optimal permeability of the borders, entrances, exits for those spaces.
    And as we decide whether to allocate budgets that lean more toward security equipment like Rings, bulletproof glass, alarm systems and firearms, or invest in hospitality resources like serving dishes, spare rooms, and accessibility ramps.

  • Daniel J Meeter says:

    Once I heard Rich Kooistra preach a sermon on the friends of the paralytic who tore the roof off the crowded house to drop their friend down in front of Jesus. Rich preached that just because our churches may be crowded does not mean they welcome in people who need Jesus, and that sometimes we should tear the roofs off our own churches.

    • RLG says:

      Thanks Tom for an important lesson. Our churches can be friendly towards strangers but often fail to befriend such strangers. To be a true friend, they have to become members, accept or own our core beliefs. Then we will truly embrace them. For Christians, Jesus is the only gate to acceptance with God and the church.

  • Cathy Smith says:

    Thank you for this thoughtful post. It’s a keeper.

  • Eric Van Dyken says:

    “A policeman whom we asked for directions threatened to put us all in jail because towing was illegal in Chicago.” Alternative wording: “We were thankful to a gracious policeman who chose not to cite us, instead warning us that rope-towing is illegal in Chicago. The fact that our tow rope broke was a good reminder of just how dangerous this practice can be, particularly in settings with lots of traffic. I should have called a tow service in the first place.”

    Instead of attempting to bring scorn on the public servant and paint yourself as some sort of victim, perhaps you could express gratitude for his service as he works to keep you and all others safe, even while people like you make poor decisions and fail to show your appreciation of his service or understanding of your poor choice.

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